Kaffee Magazin

Revival des Filterkaffees

FILTERKAFFEE UND DESSEN REVIVAL. 3RD WAVE COFFEE.

Wir erleben momentan einen absoluten Imagewandel, den der Kaffee vollzieht. Es ist nicht mehr nur ein Getränk, der Dich wachhalten soll. Viel mehr verbindet man mit Kaffee einen bestimmten Lifestyle. Kaffee ist hip, modern und so beliebt, wie noch nie. Er ruft  ein Gefühl der Freude, der Zugehörigkeit hervor. Dieser Lifestyle spiegelt den Zeitgeist, in dessen Mittelpunkt Entschleunigung, Nachhaltigkeit, Genuss und Lebenslust stehen, dar.

In dem ganzen Trubel und der Aufregung erlebt mit einem leisen Kommen der Filterkaffee sein Comeback. Unangekündigt ist er plötzlich da und nicht mehr wegzudenken. Denn der Filterkaffe ist aromatisch und vielfältig. Durch die verschiedenen Filtrationsmethoden erlebst Du den Kaffee auf unterschiedliche Weise, jedes Mal anders. Die French Press entwickelt eine andere Tasse Kaffee als die Aero Press und diese schmeckt wiederum anders als ein Handaufguss- Kaffee. Dank diesen unterschiedlichen Methoden entdeckst Du immer wieder neue Facetten Deines Lieblingsgetränks. Aber wie kam es zu diesem Wandel? Woher kommt dieses Bewusstsein und Neugier für guten Kaffee?

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Phasen oder auch Wellen in der Kaffeetrinkkultur.

Die erste Welle. Exponentiell wachsender Kaffeekonsum.

Die erste Welle brachte Innovation in die Kaffeeindustrie. Der Anfang macht die Entwicklung von Vakuumverpackung in der frühen 1900 Jahren, eben dann begannen die Brüder Hills, Austin Herbert Hills und Reuben Wilmarth Hills Vakuumdosen mit geröstetem Kaffee zu befühlen. Dadurch war es möglich, Kaffee in großen Mengen zu verpacken und zu vertreiben. Der Weg in die privaten Haushalte war geöffnet. Dennoch war Kaffee nach wie vor eher ein Luxusgut. Das änderte sich jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung von Instantkaffee. Der Kaffee wurde in relativ kurzer Zeit zu einem alltäglichen Produkt: leicht zugänglich, leider von minderer Qualität und auch von einem solchen Geschmack. Damals war die einzige Anforderung an Kaffee ein niedriger Preis und eine möglichst hohe Produktionsmenge. Besonders wurde diese Art von Instantkaffee durch Nestle mit Nescafé im Jahr 1938 vermarktet. In den späten 1970 und 1980 Jahren begann sich dieser Zustand zu verändern, als die privaten Haushalte Espressomaschinen für sich entdeckten und Cafés zu beliebten Treffpunkten avancierten. Durch die sogenannten Foodies gewann auf einmal die Qualität der konsumierten Produkte von Bedeutung.

Die zweite Welle. Die Definition und die Freude an Kaffeespezialitäten.

Die zweite Kaffee Welle war die Reaktion auf den schlechten Kaffee der Jahre zuvor. Der Wunsch nach Genuss und positiven Geschmackserlebnissen wurde immer eindringlicher. Diese Bewegung ist geprägt von Begriffen, wie Espresso, Latte oder French Press. Die Krönung dieser Entwicklung war der „Coffee to Go“ und allerhand „flavoured coffees“, mit Karamell, Haselnuss, White Chocolate und anderen mit einem großen Sahnehäubchen obendrauf. Der eigentliche Kaffeegeschmack ist in den Hintergrund geraten. Im Jahr 1971 eröffnete das erste Starbucks- Geschäft in den USA. Bis zum Jahr 2000 waren es weltweit 3.500 Filialen. Der Boom der Kaffeespezialitäten-Shops hat dem Kaffee eine neue Identität gegeben. Der Kaffee wurde schließlich zu einem Lifestyleprodukt.

Die Dritte Kaffee Welle. Kaffeegenuss auf der Grundlage seiner Herkunft und der handwerklichen Methoden der Produktion und Zubereitung.

Die neue Bewegung begann gegen Ende der 1990er Jahre in USA, Großbritannien, Japan, Australien, Neuseeland und Skandinavien. Der Begriff Third Wave Coffee wurde zum ersten Mal im Jahr 2002 in einem Artikel von Trish Rothgeb für die amerikanische Röstergilde verwendet. Die dritte Kaffeewelle ist die Bewegung hin zum ursprünglichen Kaffee, der mit großer Sorgfalt angebaut, geröstet und zubereitet wird. Der Geschmacksvielfalt des Kaffees liegt der Bewegung zu Grunde. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Qualität, Nachhaltigkeit und Genuss, die auch den Weg zum Erfolg darstellten. Es gibt 3 Säulen der Bewegung:

Der Anbau und Handel: Wo kommt der Kaffee genau her? Um welche Varietät handelt es sich und wo wurde sie angebaut? Ein wichtiges Instrument ist hier der direkte Handel. Man soll nicht nur wissen aus welchem Land der Kaffee kommt, sondern auch, auf welcher Plantage er angebaut wurde - vielleicht auch den Namen des Kaffeebauers, genauso wie die Aufbereitungsmethode. Die persönliche Beziehung zum Produkt ist wichtig.

Die Röstung: Es wird schonend und langsam geröstet, denn nur dann können sich die 800 Aromen, die in eine Kaffeebohne enthalten sind, völlig entfalten und nur dann erreicht man die gewollte Geschmacksvielfalt. Industrielle Großröstanlagen sind damit passé.

Und jetzt kommt es, die Zubereitung: Es geht vor allem darum, die Kaffeezubereitung zu zelebrieren. Kaffeetrinken wird zu einem Ritual. Das Prinzip ist gleich, wie damals zu Omas Zeiten. Man braucht auch die gleichen Utensilien, Kaffeefilter, Kaffeepulver, heißes Wasser und etwas Geduld. Fertig ist der frische Kaffee. Aber Achtung! Beim Slow Coffee oder innerhalb der Dritten Kaffee Welle gibt es einige Parameter, die man beachten sollte, damit man ein aromatisches Getränk bekommt.

  1. Wähle Deine Brühmethode. Seit der Zeit der Porzellanfilter hat sich einiges getan. Es gibt unzählige Möglichkeiten Deinen morgendlichen Kaffee zu zubereiten.
  2. Kaffee frisch mahlen, unmittelbar vor dem Brühen. Ein gemahlener Kaffee verliert schnell die Aromen, die verflüchtigen sich einfach. Also immer frisch geröstete Kaffeebohnen kaufen und kurz vorm Gebrauch malen.
  3. Papierkaffeefilter befeuchten, damit die Mikropartikel nicht in Dein Getränk geraten und den Geschmack verfälschen.
  4. Die richtige Kaffeemenge. Je nach Zubereitungsart und gewünschte Menge des fertigen Getränks variiert die benötigte Menge an Kaffeebohnen. Hier ein Beispiel für Pour Over Kaffee (Filterkaffee, Handaufguss): Um einen Becher Kaffee von etwa ca. 330 ml zuzubereiten, brauchst Du ca. 20g Kaffeebohnen. Für eine Große Kanne mit 0,75l Volumen sind es schon ca. 40g Kaffeebohnen.
  1. Der richtige Mahlgrad. Für den Filterkaffee benötigst Du grob gemahlenen Kaffee (anders als für einen Espresso, dessen Kaffeebohnen sehr fein gemahlen sind). Achtung: die Grobheit unterscheidet sich, abhängig davon, ob man eine French Press, für den Handaufguss oder Aero Press verwendet. Wie findest du den richtigen Mahlgrad? Ganz einfach: Verkosten, verkosten, verkosten.
  2. Die richtige Wassertemperatur. Aufgebrüht wird mit heißem, aber nicht kochendem Wasser. Die optimale Temperatur liegt zwischen 91º C und 97ºC.

Wenn die Temperatur zu hoch ist, schmeckt der Kaffee etwas bitter, denn bei den hohen Temperaturen röstet der Kaffee nach. Ist das Wasser zu kalt, schmeckt der Kaffee sehr mild und uninteressant.

Jetzt kannst Du nichts mehr falsch machen.

In diesem Sinne, take your time and enjoy your cup of coffee!

 

Revival des Filterkaffees- Handcraft Coffee

 

Photocredit: unsplash.com; Thomas Martinsen und Rob Bye
Share:

Poste einen Kommentar!