Kaffee Magazin

Vier Gründe, warum Kopi Luwak nicht das ist, wofür es uns verkauft wird. Der teuerste Kaffee der Welt.

Wenn man von Spezialitätenkaffee spricht, wird sehr oft Kopi Luwak erwähnt, als die höchste Stufe des Kaffeegenusses, als der seltenste und teuerste Kaffee der Welt.

Es ist ein Kaffee, der von einem kleinen Tier, dem in Südostasien lebenden Fleckenmusang, einer Schleichkatzenart gegessen, verdaut und letztendlich ausgeschieden wird. Für die wild lebenden Schleichkatzen gehören reife Kaffeekirschen auf den Speiseplan. Die nicht verdauten Kerne passieren den Darmtrakt des Tieres, wobei die Verdauungsenzyme die Struktur der Bohnen verändern Letztendlich werden die Kerne, wie es bei allen Wesen so ist, ausgeschieden. Diese teilweise fermentierten Kaffeebohnen werden dann sorgfältig von Menschen gesammelt, gewaschen, getrocknet, geröstet und für teures Geld an Kaffee- Feinschmecker auf der ganzen Welt verkauft. Ist der Kaffee aber wirklich so besonders? Oder steht hinter dem Luwak-Hype mehr Marketing als Genuss?

Schon 1883 hat Alfred Brehm den Kopi Luwak beschrieben. Da der Plantagen-Kaffee nur für den Kosum durch Kolonialherren und für die Exporte nach Europa bestimmt war, hat die einheimische Bevölkerung des Südostasiens einen Weg für sich gefunden, Kaffee zu trinken. Nämlich die Extremente des Fleckenmusang zu sammeln und die aussortierten Kaffeebohnen zu einem trinkbarem Gut zu verarbeiten. 1991 brachte ein amerikanischer Kaffeehändler Tony Wild den Kopi Luwak in die Westliche Welt, als eine Rarität und Besonderheit. Nicht ahnend, welche große Aufmerksamkeit er bekommen würde. Der Kopi Luwak wurde zu einem „ Bling- Kaffee“ wie er beschreibt und schaffte es bis nach Hollywood. Wir alle kennen den Luwak schlürfenden Jack Nicolson in dem Film „Das Beste kommt zum Schluss" (2007).

Kopi Luwak- Handcraft Coffee

Doch hinter der Bekanntheit der umstrittenen Kaffeebohne steckt viel Publicity und die Eigenart des Menschen teure und unkonventionelle Produkte besitzen zu wollen.

  1. Es sind immer noch Extremente, die man genießen will. Wie ist denn der Geschmack?

Die wildlebenden Schleichkatzen wählen für ihre Ernährung nur die reifen Kaffeekirschen und somit die „besten“ Kaffeebohnen aus. Das ist auch das wichtigster Verkaufsargument, denn es wird als eine „natürliche Selektion“ verkleidet. Für einen Kaffee- Amateur klingt das natürlich plausibel. Die Wahrheit jedoch ist, dass bei einer Kaffeeernte auf einer Plantage, die nicht industriel betrieben wird, auf der die Kaffeekirschen vom Hand gepflückt werden, gibt es in der Regel nur einen kleinen Prozentsatz von Kirschen, die "schlechte" Bohnen enthalten.
Die Kaffeebohnen, die die Katze nicht verdauen kann, passieren deren Verdauungstrakt und unterliegen einer Fermentation. Die Verdauungsenzyme verändern die Kaffeebohnen, den die darin enthaltenen Säuren werden abgebaut. Verkaufsargument Nummer zwei. Der bessere Geschmack der Bohnen. Die Specialty Coffee Association of America ( SCAA) prüfte die Luwak Bohnen und stellte fest, dass zwei Merkmale, die für die Qualität des Kaffees vom Bedeutung sind, fehlen bei den Luwak- Bohnen. "Es scheint, dass die Luwak-Verarbeitung die positiven Säuren, die für die Aromenvielfalt notwendig sind, sehr mindert und dem Körper seine Kräftigkeit nimmt,  was viele Leute als positive Eigenschaften betrachten." In Wirklichkeit hat dieser Kaffee einen gleichmäßigen, flachen Geschmacksprofil.

  1. Wer würde so viel bezahlen?

Es ist irgendwie verständlich, dass für ein Produkt, das in so geringer Menge auf dem Markt verfügbar ist, ein Prämium- Preis verlangt wird. Die Preise für einen Pfund Kopi Luwak erreichen kosmische 300 bis 600 Euro, je nach Herrkunft. Man muss eine Portion Verrücktheit mitbringen um so viel für Kaffee zu bezahlen, auch wenn es sich um einen Spezialitätenkaffee handelt. Doch so wie es immer ist, da wo sich Geld verdienen lässt, wollen viele mitmischen. Es wird geschätzt, dass heutzutage die jährliche Produktion von Kopi Luwak bis zu 50 Tonnen erreicht!
Da stellt sich doch automatisch die Frage, ob die Produktion des Kopi Luwaks noch im Einklang mit der Natur ist?

3. Das Leiden der Tiere ist eine traurige Wirklichkeit der Industrie.

Die steigende Nachfrage nach dem Katzenkaffe hat dazu geführt, dass der Großteil des Kaffees an Orten produziert wird, die den industriellen Tierhaltungsanlagen nicht weit entfernt sind. Der wildgesammelte Kaffee ist eine echte Rarität. Die wilden Fleckenmusangs werden ihrem natürlichen Lebensraum entrissen um auf Kaffeefarmen in kleinen Käfigen gehalten zu werden. Wie National Geographic berichtet, haben Forscher von der Oxford University Wildlife Conservation Research und Forscher der in London ansässigen gemeinnützigen Organisation World Animal Protection die Lebensbedingungen von fast 50 wilden Schleichkatzen untersucht, die auf 16 Plantagen auf Bali gehalten werden. Die Ergebnisse, die in der Zeitschrift Animal Welfare veröffentlich wurden, zeigen ein trauriges Bild. Von der Größe der Käfige bis hin zu der Möglichkeit der darin gehaltenen Tiere, ihrem artgerechten Verhalten nachzugehen haben alle besuchten Farmen die grundlegenden Tierschutzanforderungen nicht erfüllt. "Einige dieser Käfige waren so klein, dass wir sie Kaninchenhütten nannten. Sie waren absolut mit Urin durchgesogen und mit Kot verdreckt", sagte Neil D'Cruze, einer der Forscher. Einige der Tiere waren unterernährt, als Folge der eingeschränkten Diät von nur Kaffeekirschen. Einige waren fettleibig, weil sie sich niemals frei bewegen konnten. Und einige leideten unter der zu hohen Mengen an konsumierten Koffein.

Wenn man diese Berichte bedenkt, kommt man schnell zu einem Entschluss.

  1. Nicht alles ist Gold, was glänzt.

Wenn der Geschmack des Kaffes nicht so unglaublich und fantastisch ist, wie es uns vermittelt wird, wenn wir wissen, dass die Produktion des Kaffees mit einem Tierleiden zusammenhängt, warum sinkt die Nachfrage nach dem Katzenkaffee nicht? Sogar der Pionier des Kopi Luwaks, Tom Wilde äußert sich negativ zu dem Konsum des Kaffees und nennt ihm industrialisiert, missbräuchlich und falsch. Ist es wirklich der beste Kaffee der Welt?

 

Quellen:
www.sciencenews.org
www.nationalgeographic.com
www.wikipedia.de
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