Kaffee Magazin

Fair Trade Kaffee- Kaffee mit gutem Gewissen?

Guter Kaffee ist ein Genuss für alle Kaffeepassionierten. Für die beste Qualität und für ein Geschmackserlebnis sind wir bereit etwas mehr Geld auszugeben, idealerweise erreicht das Geld am anderen Ende auch die Richtigen, nämlich die Kaffeebauer.

Um dies erreichen zu können, existieren diverse Instrumente- verschiedene Siegel, wie Bio oder Fair Trade, die ein Indiz für gute Qualität der Kaffeebohnen und für die soziale Nachhaltigkeit sein sollten. Vor allem der Fair Trade Kaffee liegt im Trend und die Nachfrage wächst stetig. Deutschlandfunk berichtete kürzlich, dass laut Minister Müller, solle der Fair Trade Kaffee vom Kaffeesteuer befreit werden.

Was steckt hinter der Zertifizierung?

Das Ziel ist immer gleich, die Verbesserung der Lebensbedingungen für Kaffeebauern und Plantagen- Arbeiter und deren Familien in den Anbauländer. Kaffeetrinker sind sich sicher, dass mit jedem Schluck des fair gehandelten Kaffees die Kaffeebauer, die Kaffeeplantagen- Arbeiter und auch die Umwelt im Herkunftsland unterstütz wird. Hinter dem Konstrukt verbirgt sich aber ein kompliziertes Netzwerk von Mechanismen, die den Prozess des Kaffeehandels nicht unbedingt vereinfachen, sondern im Gegenteil, strenge Auflagen und Vorschriften müssen erfüllt werden um eine Zertifizierung erhalten zu können. Wir blicken hinter die Kulissen und werfen einen Blick auf die wichtigsten Siegel.

Fast zwei Drittel der Konsumenten verbinden mit dem Begriff Nachhaltigkeit einen Fairen Handel. Unsere Vorstellung davon betrifft den gesamten Herstellungsprozess des Kaffees, dabei stehen gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung im Vordergrund. Doch was verbirgt sich hinter einem Siegel und wie werden die Gelder umverteilt? Auf diesem Gebiet herrscht sehr wenig Transparenz und die eigentlichen Mechanismen sind der Mehrheit der Konsumenten nicht wirklich bekannt. Es liegen Unterschiede zwischen den einzelnen Siegeln.

1. Rainforest Alliance.

Rainforest Alliance- Handcraft Coffee

Der Schwerpunkt liegt beim Naturschutz. 1995 begann die Rainforest Alliance, die Lage der Kaffeebauern in Ursprungsländern zu verbessern. Sie bot ihnen Schulungen an, um Verfahren zu erlernen, das die Ernteerträge verbessert und die Anbauflächen gesund erhalten lässt, um auch nachfolgenden Generationen noch zu dienen. Die Organisation besteht aus lateinamerikanischen Umweltschutzgruppen, die sich darauf konzentrieren, die Kaffeebauer auf die Umweltprobleme zu sensibilisieren. Der Anbau soll im Einklang mit der Natur stattfinden. Dies ist die Voraussetzung für die bessere Zukunft der Bauern. Diese werden in der Nachhaltigen Landwirtschaft ausgebildet. Mindestpreise und Sozialprämien gibt es nicht. Die Bauer führen eigenständig die Preisverhandlungen. Die Erstzertifizierung kostet ca. 2250€ und muss alle 3 Jahre erneuert werden. Im Folge der Zertifizierung wächst der Kaffee im Einklang mit der Natur: Die Böden bleiben gesund, es wird für die Sauberkeit der Gewässer und Wasserläufe gesorgt und die Abfälle werden, wo immer es möglich ist, vermieden oder recycelt. Es wird ein gesundes Ökosystem geschaffen, in dem wildlebenden Tieren es gut geht. https://www.rainforest-alliance.org

2. UTZ Certified Besserer Anbau. Bessere Zukunft.

UTZ Certified- Handcraft Coffee

Der Schwerpunkt liegt auf den einzelnen Schritten der Produktion und des Handels. Das Ziel ist dabei die Erstellung eines transpatenten Marktes für verantwortungsvoll hergestellte Produkte. Der Anbau und das Management auf den Kaffeefarmen soll professionalisiert werden. Die UTZ- Zertifizierung richtet sich an größere Plantagen. Im Januar 2018 fand ein Zusammenschluss mit der Rainforest Alliance statt. Dadurch erlangt die Z eine größere Reichweite und eine stärkere Stimme geben. Damit werden wir unseren Einfluss noch weiter ausbauen und ein stärkerer Partner für unsere vielen Stakeholder sein. www.utz.org

3. Fair Trade Steigerung der Produktivität und Qualität.

Fair Tade Siegel- Handcraft Coffee

Der Schwerpunkt der Fair Trade- Zertifizierung liegt an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern. Fair Trade ist eine non-profit-Organisation, die die Positionen der Produzenten vertritt. Vor allem Kleinbauern sollen gefördert werden, sodass sie ihre Zukunft selbst gestalten können. Den Produzenten werden Mindestpreise gezahlt, die vom Weltmarktpreis unabhängig sind. Die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Ernte ist ein Bestandteil des Programms. Der Fair Trade-Mindestpreis stellt bei schwankenden Weltmarktpreisen ein Sicherheitsnetz dar. Die Fair Trade-Prämie ermöglicht Investitionen in soziale Projekte sowie in produktivitätssteigernde Maßnahmen. Eine Sozialprämie die von der Verkaufsmenge der Erzeugnisse der Plantage abhängt, soll der Armutsbekämpfung dienen. Verpflichtend für die Kaffeebauern ist, ein Viertel der Fair Trade-Prämie in Produktivität und Qualität des Anbaus zu investieren. https://www.fairtrade-deutschland.de

4. GEPA

Gepa siegel- Handcraft Coffee

Ausschließlich Kleinbauernorganisationen sind die Lieferanten für GEPA-Kaffee. Gepa ist einer der größten Importeure für fair gehandelte Produkte aus Entwicklungsländern. Neben den Anbaubedingungen sollen auch die allgemeinen Lebensbedingungen der Kaffeebauernfamilien verbessert werden. Dazu gehören u.a. Wasserversorgung und Bildung. Ein wichtiger Bestandteil der Vorgehensweise der GEPA ist die langfristige Planungssicherheit für die Kaffeebauern: Verträge werden für ein ganzes Kaffeejahr abgeschlossen, teilweise sogar für 3 Jahre. Es werden offene Verträge geschlossen, das heißt, die Genossenschaften können je nach Weltmarktpreis den Preis für den Kaffee festlegen. Die Kooperativen werden in nachhaltigem Kaffeeanbeu beraten, u.a. bei der Umstellung auf BIO- Kaffeeanbeu, bei Qualitätsproblemen, bei der Ausstellung von Export-Unterlagen. Auf der anderen Seite setzt GEPA auf den Endverbraucher und investiert in die Aufklärung der Kunden. Der Verbraucher soll im Zuge der Aufklärung sein Konsumverhalten überdenken und ändern und motiviert werden sich für nachhaltige Produkte zu entscheiden. https://www.gepa.de

5. BIO

Bio siegel- Handcraft Coffee

Der BIO Sigel konzertiert sich vor allem auf der Landwirtschaft und dem Ökosystem. Ein Bio-Siegel ist ein Güte- und Prüfsiegel, mit welchem Erzeugnisse aus ökologischem Landbau gekennzeichnet werden. Die Genehmigung zur Verwendung eines Siegels wird vom Herausgeber reglementiert und ist an die Einhaltung gewisser Standards und Auflagen geknüpft. Die Einhaltung der Kriterien durch die Erzeuger in Ursprungsländern wird durch eine Dokumentationspflicht sowie regelmäßige Entnahme und Untersuchung von Warenproben gewährleistet. Es ist das populärste Gütesiegel für ökologischen Landbau in Europa. Überwacht wird die Einhaltung der Bestimmungen für alle Bio-Produkte in der EU durch die jeweils zuständige Öko-Kontrollstelle, bei Verwendung eines Verbandssiegels zusätzlich durch den jeweiligen Anbauverband. Das Siegel hat zum Ziel, den ökologischen Landbau und eine weniger umweltbelastende Anbauweise zu fördern. Untersagt wird beispielweise die Verwendung chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel und synthetischer Düngemittel, ebenso gilt ein absolutes Verbot für die Verwendung von Gentechnik. Was bedeutet das Bio-Siegel für Kaffee? Im Vordergrund des Bio- Siegels stehen nicht die sozialen Aspekte, sondern vielmehr die Nachhaltigkeit und ökologischer Anbau. Angewandt auf das Produkt Kaffee bedeutet das Bio-Siegel, dass eine Öko-Kontrollstelle wie z.B. BCS Öko Garantie, die komplette Wertschöpfungskette überprüft. Zunächst muss der Produzent im Ursprungland Bio-zertifiziert werden. Dazu werden die Farmer bzw. die Kooperative jährlich überprüft. Es werden Interviews geführt, die Anbauweise wird begutachtet und Rohkaffeeproben werden regelmäßig untersucht. Für diese Zertifizierung zahlt eine Kooperative in etwa 3.000 Euro Gebühr. Bei erfolgreicher Zertifizierung kann die Kooperative ihren Kaffee als Bio-zertifizierten Kaffee zu einem Premium von 30 US Cents pro Pfund anbieten, was einem Mehrpreis von ca. 0,60 Euro pro kg entspricht. Produkte, die nicht mindestens zu 95% ohne Gentechnik, ohne Pflanzenschutzmittel, ohne Stickstoffdünger und mir Berücksichtigung von Boden, Wasser und Luft hergestellt wurden, dürfen das Bio Siegel nicht tragen.

Theorie und Realität

Diese Programme und Ambitionen sind ehrenhaft und hören sich gut an. Doch sie sind lediglich Theorie deren Umsetzung nicht immer im vollem Umfang gelingt. Eine weitere Frage, die sich stellt, ist die Überprüfung der Umsetzung der Richtlinien. Während der oben genannte Bio- Siegel gesetzliche Auflagen erfüllen muss, unterliegen die anderen Siegel keinen verbindlichen Vorschriften. Oft wird es von Kaffeebauern gefördert, in eine demokratisch geführte Kooperative beizutreten und somit ein Stück ihrer Unabhängigkeit abzugeben. Wenn der Weltmarktpreis für Kaffee sinkt und gleichzeitig die Nachfrage für den zertifizierten Kaffee steigt, entscheiden sich die Bauer ihre Farmen und den angebauten Kaffee trotz Einschränkungen zu zertifizieren.

Direkt Trade

Der direkter Handelt stellt eine gute Alternative zu zertifiziertem Kaffee dar. Denn Direct Trade bedeutet qualitativ einwandfreien Kaffee, der zu 100 % unter idealen Bedingungen für Farmer, Kaffeepflücker und Natur produziert wurde. Kaffeeröstereien entscheiden sich für diesen Handelsweg, indem sie Rohkaffee von bestimmten Bauern beziehen. Meist sind persönliche Besuche im Herkunftsländer der Ausgangspunkt solcher Kooperation. Der Kaffeeröster macht sich ein Bild von den Produktionsbedingungen vor Ort und überzeugt sich von der Qualität des Kaffees. Stimmt die Chemie zwischen Kaffeebauer und Käufer so gehen die beiden Parteien eine langfristige, persönliche dennoch vertraglich geregelte Beziehung an. Der große Vorteil: die ausgehandelten Preise sind im Vergleich zu den Fair Trade- Preisen deutlich höher und dabei sehr stabil, sodass einzelne Bauer angemessen entlohnt werden und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards aufrecht erhalten können. Die Bezugsquellen und die einzelnen Farmen kann der Verbraucher einfach nachverfolgen, denn jede Kaffeefarm über einen Internetpräsenz verfügt. Dort lassen sich alle Einzelheiten zu den Anbaubedingungen erfahren. Auch die Kaffeeröster stellen diese Informationen auf der Kaffeepackung zur Verfügung.

Direkt gehandelter Kaffee ist für den Konsumenten bis zur Ursprung zurückverfolgbar, was ihn von den zertifizierten Kaffee unterscheidet. Direkter Handel ist ein festes Merkmal des Spezialitätenkaffees und ein Indiz für hervorragende Qualität, nachhaltigen Anbau und soziale Verantwortung. Die Kaffees, die in unserem Shop angeboten werden, sind zu 90 % durch direkten handel erworben. Finde Deinen neune Lieblingskaffee hier.

Share:

Poste einen Kommentar!

Folge uns auf: