Kaffee Magazin

Alles, was Du über Kaffee aus aller Welt wissen musst. Teil 2

Im zweiten Teil unserer Reise durch die Welt des Kaffees widmen wir uns den Kontinenten Südamerika und Asien. Wir werfen auch einen Blick auf die seltenen Kaffees aus Australien.

 Origin Kaffee Spotlight: Südamerika

In Südamerika ist der Kontinent der größten Kaffeelieferanten der Welt – Brasilien und Kolumbien. Brasilien verfügt über eine abwechslungsreiche Landschaft und Umgebung, die perfekt für den Anbau hochwertiger Kaffeebohnen ist. Aber auch Kolumbien ist mit der Zeit zu einer wahren Größe in der Kaffeeproduktion gewachsen, die sich auf Spezialitätetenkaffee spezialisiert hat. Kolumbien ist der größte Produzent von gewaschenem Arabica Kaffee weltweit und verfügt über eine gut geführte Industrie, die durch Forschung und Qualitätsentwicklung zur besseren Qualität des Kaffees auf dem Kontinent beiträgt. Es gibt auch aufstrebende kaffeeproduzierende Länder in Südamerika wie Bolivien und Ecuador, die in der Vergangenheit nicht über die notwendige Infrastruktur oder das Management verfügten, um eine erfolgreiche, qualitätsorientierte Kaffeeindustrie aufzubauen. Dieses ist aktuelle im Umschwung und auch in diesen Ländern wird vermehrt in den Kaffeesektor investiert, was mit besseren Produkten von komplexeren Geschmacksprofilen resultiert.

Südamerika ist auch die Heimat der Anden, der längsten kontinentalen Gebirgskette der Welt. Dieses unglaubliche Gebiet erstreckt sich durch Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien und bietet ein so abwechslungsreiches Terrain mit Gletschern, Vulkanen, Grasland, Wüste, Seen und Wäldern. Die Anden sind für die vielen verschiedenen Mikroklimata verantwortlich, die vor allem in Kolumbien herrschen, was diesen Kaffee zu einem sehr attraktiven Rohstoff für die weitere Verarbeitung bietet. Der Kaffee aus Kolumbien kann fast das ganze Jahr über geerntet werden.

BRASILIEN - der größte Kaffeeproduzent der Welt

Brasilien ist Südamerikas größtes wirtschaftlich starkes Land und eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Kaffee- Plantagen umfassen etwa 27.000 km2 des Landes! Von den rund sechs Milliarden Kaffeesträucher sind 74% Arabica und 26% Robusta- Pflanzen. Die Bundesstaaten Minas Gerais, São Paulo und Paraná sind aufgrund der geeigneten Landschaften, des Klimas und des reichen Bodens die größten Produzenten. Die meisten Plantagen werden in den Trockenmonaten Mai bis Juli geerntet.

Im Allgemeinen sind die brasilianischen Kaffeeanbaugebiete relativ flach, was die Einführung von mechanischer Ernte zur Folge hat, die während der Erntezeit eine Vielzahl von Pflückern ersetzt. Das hat einige Vorteile, zum Beispiel, dass eine Farm von bis zu 5000 Hektar von nur 3 oder 4 Personen bewirtschaftet werden kann, was die Arbeitskosten des Kaffeeanbaus in Brasilien massiv reduziert. Aus diesem Grund wird brasilianischer Kaffee in der Regel als Basis für die meisten handelsüblichen Kaffeemischungen gewählt, da er im Vergleich zu Kaffees aus anderen Herkunftsländern extrem günstiger ist. Die mechanische Ernte bedeutet aber auch, dass es unmöglich ist, nur die reifen roten Kirschen zu pflücken, was sich negativ auf die Qualität des Kaffees auswirkt und zu einer starken Abhängigkeit vom Sortierprozess führt, um sicherzustellen, dass unreifen Bohnen entfernt werden.

Aufgrund seiner Größe bestimmt Brasilien den globalen Preis für Kaffee ziemlich genau danach, wie viel das Land jedes Jahr produziert. Der New Yorker Rohstoffmarkt wurde 1989 gegründet, um das Kaffeepreisniveau anzugleichen und den Produzenten einen Mindestpreis zu garantieren.  Dieser Preis wird jedoch vollständig von Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn in Brasilien eine Rekordernte herrscht und mehr Kaffee produziert wird, als die Welt tatsächlich braucht, kann der Marktpreis des Rohkaffees auf ein Niveau sinken, das weit unter den Produktionskosten vieler Bauern auf der ganzen Welt liegt.

Um sicherzustellen, dass ethisch einwandfreier Kaffee mit den besten Konditionen für die Landwirte produziert wird, trennen sich viele Kaffeeeinkäufer und Kaffeeröster von dem Weltmarktpreis und entscheiden sich für einen direkten Handel, wo individuell bestimmter Preis direkt an den Landwirt bezahlt wird. Der Preis basiert auf Qualität des Rohkaffees und garantiert die Deckung der mit der Produktion verbundenen Kosten.

KOLUMBIEN

Kolumbien ist wohl eines der berühmtesten Erzeugerländer der Welt, zum einen wegen der Menge an Kaffee, die es produziert, zum anderen aber auch wegen der intensiven und klugen Vermarktung, die es in seine Kaffeeproduktion investiert hat. Es wird angenommen, dass Kaffee seit 1700 in Kolumbien angebaut wird aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Kaffee mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und mit der Zeit betrug der Kaffeeexport fünfzig Prozent des Gesamtexports des Landes. Kolumbien erkannte die Bedeutung von Kaffee und gründete 1927 die FNC (Federación Nacional de Cafeteros), eine gemeinnützige Organisation, die von produzierenden Mitgliedern geleitet wird, um die Bauern im ganzen Land mit technischer Beratung, Forschung und Marketingmaßnahmen zu unterstützen. 1958 gründete die FNC „Juan Valdez“, den schnauzbärtigen Maultierreiter, der zum Gesicht der Branche wurde und in Werbekampagnen und auf Kaffeesäcken auftrat und als Marke für treue Kaffeetrinker fungierte.

Juan Valdez Logo- Handcraft Coffee

 

Juan Valdez Kolumbien- Handcraft coffee

Kolumbien ist heute nach Brasilien und Vietnam das drittgrößte Kaffeeproduktionsland der Welt. In Kolumbien wird Kaffee in 17 verschiedenen Regionen angebaut, die über unterschiedliche Klimabedingungen verfügen. Die diversen Klimabedingungen der Regionen schmeckt man auch in dem gerösteten Kaffee. In den meisten kolumbianischen Kaffeegebieten wirde der Kaffee zwei mal im Jahr geerntet- die Haupternte und die Mitaca (Fliegenernte). Es gibt mehr als eine halbe Million Landwirte in den wichtigsten Regionen Nariño, Cauca, Huila, Tolima, Quindio, Antioquia, Cundinamarca und Caldas. Zu den wichtigsten Sorten gehören Caturra, Bourbon, Typica, Castillo und Marogogogype.

 In unserem Blogbeitrag erfährst du mehr über dieses Kaffeeland!

 Zubereitungstipps

Kaffee aus Brasilien eignet sich aufgrund seines fantastischen Körpers und Gleichgewichts eher für Getränke auf Espressobasis, der reichhaltige Körper dieser Kaffeebohnen lässt sich sehr gut mit Milch kombinieren.

Kolumbianische Kaffees hingegen sind aufgrund ihres höheren Säuregehalts vielseitiger einsetzbar und eignen sich daher sowohl für leckeren Filterkaffee als auch für einen cremigen Espresso.

Hier findest Du unsere Kaffees aus Südamerika.

Origin Kaffee Spotlight: Asien

Kaffees aus Asien sind bekannt für ihren geschmeidigen Charakter mit vollem Körper und niedrigem Säuregehalt. Dies ist zum Teil auf die Dominanz von Robusta Sorte in diesem Teil der Welt zurückzuführen, insbesondere in Vietnam, dem zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt. Aus diesem Grund werden asiatische Kaffees oft nicht so hoch angesehen wie Kaffees anderer Herkunft - dies ändert sich jedoch allmählich, da immer mehr Spezialitätenkaffeekäufer Kaffeebohnen für ihre Espressomischungen in Asien suchen.

 Der Aufstieg Vietnams und die Weltkaffeekrise

Der Kaffeemarkt wird von einer globalen Börse kontrolliert, die den Preis nach Angebot und Nachfrage regelt. Im Jahr 2000 ging dieser Markt in den freien Fall über - zum Teil aufgrund der damals marktbeherrschenden transnationalen Konzerne (Nestle, Kraft, Folgers und Hill Bros), die um die Marktanteile kämpften, indem sie sich auf den Preis und nicht auf die Qualität des Rohkaffees konzentrierten, aber vor allem aufgrund des unglaublichen Wachstums der Kaffeeproduktion in Vietnam. In einem Jahrzehnt stieg Vietnam von einem ziemlich unbedeutenden Kaffeeproduktionsland zum zweitgrößten Exporteur von Kaffee in der Welt auf. Der größte Teil des Wachstums erfolgte innerhalb eines Zeitraums von 5 Jahren zwischen 1995 und 2000, als die jährlichen Kaffee-Exporte Vietnams von 4 Millionen Kaffeesäcke auf 14 Millionen Säcke stiegen! Dieser Überschuss an Kaffee in Verbindung mit dem Druck auf die Produzenten führte dazu, dass der Weltmarkt mit nur 0,20 $/lb auf den niedrigsten Stand aller Zeiten sank. Um dies in Relation zu setzen, werden die Produktionskosten für einen Landwirt in Mittelamerika auf etwa 1,75 $/lb geschätzt. Zwischen 2000 und 2006 arbeiteten die Kaffeebauern daher in einem System, das sie mit einem Schuldenberg konfrontiert und nicht in der Lage war, ihre Familien zu versorgen. Für viele Kaffeebauer endete diese Kaffeekrise tragisch.

Fast die gesamte Produktion in Vietnam stammt von Robusta-Bäumen und der Export konzentriert sich hauptsächlich auf den Markt für löslichen Kaffee. Die Probleme auf diesem Markt sind die der ökologischen Nachhaltigkeit, da immer mehr Unternehmen Regenwald zugunsten kommerzieller Kaffeeplantagen roden. Besorgniserregend ist auch die Menge an Wasser und Düngemitteln, die bei zu intensiver Bodenbearbeitung eingesetzt werden.

In Vietnam steht der Start der Spezialitätenkaffeebranche noch bevor, wobei die Infrastruktur ausschließlich auf das Volumen ausgerichtet ist.

Indonesien

Kaffee aus Indonesien ist bekannt für seinen tiefen Schokoladengeschmack und seinen intensiven, schweren Körper. Die besten Kaffeebohnen kommen aus der nördlichen Region von Aceh auf Sumatra. Die durchschnittliche Betriebsgröße auf Sumatra ist klein, nur ein bis fünf Hektar Land und oft bewirtschaften die Kaffeebauer ihre Felder mit verschiedenen Sorten. Der Kaffee wird hier nach einem einzigartigen Verfahren namens "Giling Basah" hergestellt - diese Methode bringt mehr Körper und oft mehr Charakter in den Geschmaskprofil des Kaffees aus Sumatra, der die indonesischen Kaffee so einzigartig und unverwechselbar macht, mit Aromen von dunkler Schokolade.

Auch wohl die bekannteste Kaffeesorte der Welt hat ihren Ursprung in Indonesien, der Kopi Luwak. Erfahre mehr in unserem Kaffee- Magazin über den Katzenkaffee.

Zubereitungstipps

Indonesische Kaffees werden in der Regel wegen ihres schwereren Körpers und ihres Mundgefühls gekauft, was sie besser für Getränke auf Espressobasis geeignet macht, die. Sie funktionieren sehr gut auch in Milchgetränken wie Cappuccino oder Latte Macchiato. Es gibt aber auch Kaffee bestimmten Ursprungs, die sich einen Namen als großartige Kaffees für Single Origin Filterkaffee gemacht haben.

Australien

Die moderne Kaffeeindustrie Australiens begann in den 1980er Jahren mit der Implementierung der maschinellen Ernte. Mit der weiteren Entwicklung der australischen Kaffeeindustrie wurde effizientere Anbausysteme und ausgefeilte Verarbeitungstechniken angewendet, die eine gleichmäßige Produktion hochwertiger Kaffeebohnen ermöglichen.

Die tropischen Gebiete von Queensland und die subtropischen Gebiete im Südosten von Queensland und im Nordosten von New South Wales im Osten des Kontinents sind aufgrund von Temperatur, Wasserverfügbarkeit, guten Böden und Frostfreiheit den besten Standorten für den Kaffeeanbau in Australien. Die Kaffeeplantagen in Australien variieren in ihrer Größe von bis zu 20-40 Hektar. Die Bäume werden in einer Dichte von 2.500-4.000 Bäumen pro Hektar gepflanzt und erreichen in vier oder fünf Jahren die volle Reife. Eine ausgereifte Plantage liefert etwa 1-2t/ha Rohkaffee.

Australischer Kaffee enthält ca. 10-15% weniger Koffein als viele Kaffeesorten aus anderen Kaffeeanbauländern. Wahrscheinlich, weil er in einer vergleichsweise stressfreien Umgebung ohne den Schädlings- und Krankheitsdruck wächst (Koffein wird als Abwehrmechanismus der Kaffeepflanze im Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten gebildet). Die Kaffeeproduktion in Australien ist immer noch eine sich entwickelnde Industrie. Branchenexperten schätzen, dass es in Australien rund 50 kommerzielle Kaffeebauern gibt, die auf einer Gesamtfläche von 300-350 Hektar Kaffee produzieren.

Australische Kaffeesorten

Während des jüngsten Kaffee-Revivals wurden Arabica-Kaffeepflanzensorten auf den Kontinent gebracht. So wurden beispielsweise Blue Mountain, Arusha, Caturra und Bourbon Sorten aus dem nahen Papua-Neuguinea importiert.

Der Kaffee aus Australien neigt dazu, eine besondere Süße, mangelnde Bitterkeit und einen mittleren Körper zu haben, der sowohl mit Schokolade als auch mit nussigen Aromen begeistert. Im Allgemeinen haben die meisten Kaffees aus Australien ein weniger intensives Profil.

Aufgrund deren milden Körper lassen sich diese Kaffees sehr gut in einer Stempelkanne oder in einer Chemex- Karaffe zubereiten.

Abschließende Überlegungen

Zu verstehen, woher unser Kaffee kommt und auf welchem Weg er vom Kaffeefarm zur Tasse kommt, ist eine Sache, die jedem Kaffeeliebhaber hilft, mehr aus seinem Kaffee herauszuholen. Sobald Du weißt, welche Art von Aromen Du bevorzugst, kannst Du herausfinden, Kaffee aus welchem Herkunftsland wahrscheinlich am besten Deinem Geschmack entspricht. Auch die Kaffeezubereitung kannst du dahin steuern, um die gewünschten Kaffeearomen vorzuhaben.

 

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